KOMPONISTEN

Friedrich Gernsheim (1839-1916) stammte aus einer angesehenen Wormser Arztfamilie. Schon mit 10 Jahren trat er in Frankfurt als Pianist und Violinist auf, 1850  wurde im Frankfurter Stadttheater eine von ihm geschriebene Ouverture uraufgeführt.  Er studierte am Leipziger Konservatorium und später in Paris, wo er in Kontakt mit bekannten Komponisten wie Camille Saint-Saens, Gioacchino Rossini und Franz Liszt kam. Zunächst war er Leiter des Chores und Sinfonieorchesters in Saarbrücken, 1865 wurde er ans Kölner Konservatorium berufen und unterrichtete dort u.a. den späteren Komponisten Engelbert Humperdinck. In  Köln wirkte er außerdem als Leiter des Städtischen Gesangvereins und Chefdirigent des Städtischen Orchesters, bis er 1874 einem Ruf zum Direktor der Gesellschaft zur Beförderung der Tonkunst in Rotterdam folgte. Von dort aus ging er 1890 nach Berlin und wurde Lehrer am Stern´schen Kondervatorium, später Mitglied im Senat der Akademie der Künste sowie Leiter einer Meisterklasse für Komposition. Zeit seines Lebens pflegte er eine rege Tätigkeit als Pianist und Gastdirigent, u.a mehrfach bei der traditionsreichen Meininger Hofkapelle.

Freundschaftlich verbunden war Friedrich Gernsheim u.a. mit den Komponisten Johannes Brahms und Max Bruch. Als Musikerpersönlichkeit wurde er zu Lebzeiten hoch geschätzt. Die Stadt Dortmund etwa veranstaltete 1914 zu seinem 75. Geburtstag ein zweitätiges Gernsheim-Fest.

Karl Goldmark (1830-1915) war der Sohn eines ungarischen jüdischen Kantors und wuchs in ärmlichen Verhältnissen auf. Da er in seiner Kindheit nur eine bruchstückhafte musikalische Ausbildung erhielt, bildete er sich auch  autodidaktisch. Er war zunächst als Orchestergeiger in Ungarn und Österreich tätig. Als Klavierlehrer unterrichtete er u.a. Ludwig Barnay, später ein bekannte Schauspieler und Theaterintendant, der auch Ehrenmitglied des Meininger Hoftheaters war. Als 27jähriger trat Goldmark mit eigenen Kompositionen an die Öffentlichkeit. Zwei Jahre später urteilte die Neue Wiener Musikzeitung, er scheine berufen zu sein, „eine rühmliche Stufe im Bereiche der Tonkunst einzunehmen“. 1865 gelang ihm mit seiner von den Wiener Philharmonikern uraufgeführten Ouvertüre „Sakuntula“ der internatiomale Durchbruch. Berühmt machte ihn insbesondere seine erste Oper „Die Königin von Saba“. Sie hatte 1875 an der Wiener Hofoper Premiere. Zu seinem 70. und 80. Geburtstag wurde Goldmark mit Feierlichkeiten u.a. in Wien und Budapest geehrt. 1910 erhielt er die Ehrendoktorwürde der Philosophischen Fakultät der Universität Budapest, 1914 wurde er Ehrenmitglied der Accademia di Santa Cecilia in Rom und 1915 der k.k. Akademie für Musik und darstellende Kunst in Wien.

Der Name Salomon Jadassohn (1831-1902) ist verbunden mit einer breiten Reformbewegung innerhalb des Judentums im 19. Jahrhundert. Sie begann in Deutschland und verbreitete sich von dort aus in der ganzen Welt. Sogenannte liberale Jüdinnen und Juden suchten nach Wegen, ihren Glauben in der nicht-jüdischen Gesellschaft zeitgemäß und weltoffen zu leben. Sie reformierten daher auch den Synagogengottesdienst. In einigen Synagogen wurden Orgeln eingebaut, was strenggläubigen Juden mit Argwohn betrachteten, weil es ihnen als „zu christlich“ erschien. Reformgemeinden führten auch mehrstimmigen gemischten Chorgesang ein.  In manchen großen Städten war es auch für Nicht-Juden ein Ereignis, am Sabbat der Synagogenmusik zuzuhören.

​Auch Salomon Jadassohn schuf Werke für diese neue Art jüdischer Liturgie. Er stammte aus Breslau, studierte u.a. in Weimar bei Franz Liszt und wurde 1865 Chorleiter der Reformsynagoge Gottschedstraße in Leipzig. Als Lehrer für Klavier und Komposition am Leipziger Konservatorium genoss er hohes Ansehen. Er leitete das Bremer Opernorchester und wurde 1873 zum königlichen Professor ernannt.  Jadassohn schuf neben Orgel- und Chorwerken auch Kammermusik, Kompositionen für Klavier, Symphonien und andere Orchesterwerke. Außerdem war er als Pianist erfolgreich und verfasste bedeutende musiktheoretische Abhandlungen. Einige seiner Kompositionen wurden im Leipziger Gewandhaus und vom traditionsreichen Leipziger Thomanerchor aufgeführt.